Kinobesuch 1

Einsamer Kinobesuch


Die erste Woche ohne meinen Freund...Exfreund..wie auch immer. Die erste Woche, Arbeitswoche ohne mein zu Hause, - also eigentlich obdachlos. Wenn ich genauer über dieses Wort nachdenke stimmt das aber nicht so ganz, da es ja durchaus ein Dach über dem Hause meiner Eltern gibt und der Kühlschrank wie im Schlaraffenland ewig voll bleibt. Es ist trotzdem seltsam.

In den letzten Tagen habe ich die interessante Erfahrung gemacht, wie es ist sich allein einen Kinofilm anzuschauen, weil alle Freundinnen, die ich habe, ihren Urlaub in anderen Gefilden Deutschlands, sowie im Ausland genießen. Ich wollte den Film schon sehen seitdem er angelaufen ist (Mitte Dezember). Der Titel: "Liebe braucht keine Ferien" klingt zwar nicht vielversprechend, war aber durchaus amüsant, wenn auch zweitklassig, kitschig und flach. Wobei der Kitsch die flache Ebene des Films gekonnt überdeckte. Der Kinobesuch an sich hatte mehr etwas von einer masochistischen Folter. Das mag durchaus am Film liegen und daran, dass alle vergebenen Frauen Bonns eventuell ihren Freund liebenswert dazu genötigt haben, sich diesen Film mit ihnen anzusehen. Ich kann es ihnen nicht verübeln, ich habs schließlich auch versucht. (Memo an mich: Noch ein neuer Vorsatz: nie wieder Männer in Filme zwingen, die sie sowieso nicht sehen wollen und im schlechtesten Fall nur Ärger machen)

Es fing schon damit an, dass der Mensch an der Kinokasse ( der ja ziemlich wahrscheinlich auch keine Freunde hat) mir zwei Karten hingelegt hat, obwohl ich ausdrücklich nach einer Karte mit Studentenrabatt verlangte. Wie lange kann man sich über eine Begleitung unterhalten, die offensichtlich nicht existent ist? - Exakt 4Minuten und 23 Sekunden, bis sich die anderen anstehenden Menschen beschweren, dass es nicht weitergeht. In diesem Moment habe ich mir ernsthaft Gedanken um meine psychische Gesundheit gemacht. Habe ich meine Begleitung vielleicht einfach aus Gründen der Verdrängung nicht gesehen? Oder hat der Mensch an der Kinokasse vielleicht einfach nur verdrängt, dass ich niemanden dabei hatte, aus Angst es könne sein Weltbild zerstören? Immerhin hat er es geschafft mir eine Karte auszuhändigen.

Leider hatte er es auch geschafft mich zwischen zwei Pärchen zu platzieren. Es hatte etwas von extremer Therapie. Mittlerweile war ich mir ganz sicher, dass der Mensch von der Kinokasse krank war und zwar so krank mir seinen Willen über die Korrelation von Liebesfilm und Liebespaar aufzwingen zu wollen. Aber ätsch, das hat es nicht besser gemacht.

Im Gegenteil, es war schon mehr als lästig an dem Zwei Meter Mann vorbeizuschauen, der mir auch diese Lücke von Zeit zu Zeit nahm, weil er seine Freundin küssen musste. Ich glaube sie bestand an einigen Stellen des Films einfach darauf...an allen Kussstellen. Irgendwie übertrieben und ein wenig weltfremd, aber immerhin nicht so schlimm wie der Gratisporno zu meiner Linken. Die Vermutung darüber, wo die Frau wohl ihr Popcon nach dem Film überall wiederfinden möge, hat mich ganze 5 Minuten beschäftigt.

Liebe lag in der Luft des kleinen stickigen Kinosaals. Auf der anderen Seite entdeckte das Pärchen seine Liebe zu Popcorn und Nachos. Die Vorliebe für die Kombination aus beidem ist an meinen Geschmacksnerven wohl vorbeigegangen. Ich kann süßem Popcorn mit heißem Käsedip einfach nichts abgewinnen und dem kontinuirlichen schmatzendem Geräusch auch nicht.

Aber ich habe mir vorgenommen meine Nächsten mehr zu lieben. Diesen Vorsatz im Hinterkopf stieß ich dezent versehentlich an den Liter Cola, der sich zielgenau über das Essen ergoss. Leider blieben die beiden auch nicht ganz verschont, aber Verluste gibt es immer. Ganz meinem Vorsatz getreu habe ich ihnen daher Taschentücher angeboten und mein Bein grazil in der Dunkelheit ausgestreckt als der "liebe Erwin" seinem "Putzelchen" eine neue Cola holen wollte. Er fiel wie ein Brett und ich habe beide glücklich gemacht. Sie konnte ihn bemuttern und er konnte verhindern, dass sie noch breiter wurde als sie es sowieso schon war....

Seit diesem Kinoerlebnis habe ich einen weiteren Vorsatz gesammelt, - es werden mittlerweile ja schon richtig viele- ; Wenn ich das nächste Mal auf die Idee komme alleine ins Kino zu gehen, mache ich lieber eine Flasche Sherry auf und bleibe zu Hause.

6.1.07 16:34

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Apostata (9.1.07 22:42)
toll geschrieben .

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